Gedenktafel
Adbk München / Foyer
GEDENKTAFEL Die historische Gedenktafel im westlichen Treppenaufgang des Foyers der Akademie der bildenden Künste München, ist nicht das was sie zu seien scheint. Der Künstler Paul Valentin hat die Tafel in einem aufwändigen Prozess abgeformt und ein Replikat erstellt und es wie eine zweite Haut über das Original gestülpt.

Den ursprünglichen Schriftzug jedoch hat er verändert, sodass er nun ein Anagramm bildet, mit den neuen Worten:

„KÖNNTEN SIE NUR IN DER VERBORGENHEIT DER TAFEL LESEN UND DIE ZAEUNE IHRER GAERTEN GANZ UEBERSTEIGEN DOCH SIE SAHEN NICHT HIN UND IHR INNERSTER CHRONIST VERSCHRIEB SICH“

Trotz der prominenten Position, ist die historische Tafel die seit 1889 an dieser Stelle hängt, weder vielen Studenten noch vielen der jährlichen Besucher im Gedächtnis. Gerade während der Sommerausstellung an der Akademie, geht sie, wie auch viele der künstlerischen Positionen, leicht in der Flut aus präsentierten Werken unter. Mit diesem Problem der fehlenden Aufmerksamkeit spielt die subtile Skulptur. Der Begriff „False-Memory“ steht im Mittelpunkt der Arbeit. Er beschreibt, dass einmal falsch abgespeicherte Erinnerungen (wie z.B. eine Begegnung mit Bugs Bunny im Disneyland), sich kaum aus dem Gedächtnis löschen lassen, selbst wenn die Betroffenen erfahren, dass es so nie geschehen ist. So kann es auch geschehen, dass der Originaltext der Tafel im kollektiven Gedächtnis der Akademiebesucher
nachhaltig überschrieben/verfälscht wird und sowohl physisch während der Jahresausstellung, wie auch mental in der Erinnerung, an die Stelle des Originals tritt und diese im wahrsten Sinne „überdeckt“. Diesem Verdikt der Kognitionsforschung folgend, inszeniert Paul Valentin seine Tafel deshalb als Mahnmal für die Aufmerksamkeit– es soll uns daran erinnern, dass die großen Werke der Kunst, die verändernden Erlebnisse, die mit uns unscheinbar in Resonanz treten, ohne unsere Aufmerksamkeit, ungesehen an uns vorübergehen..